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Thema: I'm An Animal

  1. #1
    Desperado
    Neuer Benutzer

    I'm An Animal


    I'm An Animal



    „Du bist ein harter Mann, Desperado“, meint einer der Ältesten beiläufig zu mir im späten Rund des niederbrennenden Feuers.

    „Hart ist das Leben“, erwidere ich achselzuckend und ohne die geringste Ahnung, wovon der alte Mann spricht.

    „Doch sehe ich Milde in deinen Zügen“, fährt das Weißhaar neugierig forschend fort.

    „Das frag mal die Tierbabys“, gebe ich ihm Auskunft.

    Es verändert dich in der Tat zu erleben, wie die halbnackten Frösche ihre Äuglein öffnen, erst eins dann zwei, mit einem „du bist nicht meine Mami“ im aufgeweckt suchenden Funkeln, dem ein „aber zur Not nehm ich dich schon, bist soweit ganz in Ordnung“ folgt, was sich spätestens dann bestätigt, wenn sie mit ihren winzigen Fingerchen das Fläschchen umklammern und am Nuckel saugen, als wollten sie es als Ganzes verschlucken, um sich anschließend mit von sich gestreckten Ärmchen und Beinchen und urkomischen Verrenkungen behaglich das Bäuchlein mit der Fingerkuppe und einem weichen Lederfetzen massieren zu lassen, bis es rieselt oder kleckert oder beides. Es verändert dich, wenn sie in deiner Achselhöhle eingerollt schlafen, andächtig in deinen Haaren wühlen oder dir mit sinnlichem Vergnügen ins Ohrläppchen beißen, dich begrüßen wie kleine Hündchen und mit ihren ausgelassenen Umtrieben und durchtriebenen Streichen deinen einförmigen Alltag zu einem abwechslungsreich spannenden Erlebnis voller Überraschungen werden lassen.

    Es verändert dich, die aufgesperrten Schnäbel von nackten kleinen Drachen zu stopfen, dem mit atemberaubender Geschwindigkeit sprießenden Gefieder beim Wachsen zuschauen zu können, die ersten Flügelübungen und meist recht kläglichen Flugversuche zu begleiten und belobigen, all das macht dich staunen, demütig und dankbar. Ja vielleicht milde, wenigstens für die Zeit, in der sie dich mit ihrer Anwesenheit beglücken. Und es ist eigentümlich und geheimnisvoll zugleich, denn ebenso zweifellos wie sie etwas von dir mitnehmen hinaus in ihre freie wilde Natur, und sei es eine gute Erinnerung, lassen sie dir etwas von ihrem Wesen zurück, du beginnst diese Welt mit ihren Augen zu sehen und ihren Sinnen zu erfahren, und warst du bis dahin ein noch so wilder Mensch, so ist ein Teil von dir durch ihre bedenkenlos verschwendete Offenheit zu einem scheuen und auf unvorstellbare Weise feinfühligen Wildtier geworden.

    Und wer nun glaubt, dass ein Hörnchen ein Hörnchen ist und ein Rabe ein Rabe, der irrt gewaltig. Die Wesenszüge und Charaktereigenschaften der kleinen Geschöpfe sind so verschieden wie vielfältig, da gibt es Ängstliche und Verwegene, Schüchterne und Vorwitzige, Spröde und Anschmiegsame, Unnahbare und Zutrauliche, Lebhafte und Behäbige, Gutmütige und Streitlustige, Flinke und Langsame, Bedächtige und Übermütige, nicht eine der kleinen Persönlichkeiten ist wie die andere, ihre Unterschiedlichkeit erscheint mir mitunter ausgeprägter als bei den Menschen, auf alle Fälle aber unverfälschter. Und doch ist jedes Eichhörnchen alle Eichhörnchen, ist Urzeit und Urwald, ist alles wilde Leben all überall seit Ewigkeiten und Epochen, die wir nur abstrakt erahnen können. Und ich, der ich die Welt der Menschen durchwandert habe von Horizont zu Horizont und Bergesgipfel zu Meeresgrund, ein heimatlos ruhelos Umhergetriebener ohne Rast und Ruhe, was ist dies feine zarte Wunder, das mich Heimat finden lässt? Es springt mit Heiterkeit und purer Lebenslust durch unsere ewige Nacht, ohne Furcht und Zögern, als hätte sie und hätten wir schon immer ihm gehört und es uns schon seit jeher gekannt. Selbstverständlich ist es sich selbst und selbstverständlich nimmt es uns mit in sein kleines unergründliches geheimnisvolles Reich, und dort erst finden wir nach Hause.

    An dem Tag, als wir zu uns sagten „ich bin“, an diesem Tag sind wir geschrumpft, zurückgefallen in uns selbst und den engen Kerker unseres Bewusstseins, das sich auf sein Selbst beschränkt, reduziert ist auf ein Nichts von Raum und Zeit und trügerischer Existenz. Wir ahnen es bei den Tieren, aber auch den Säuglingen und kleinen Kindern, dieses vorherige Sein, das wir verlorenes Paradies nennen in unseren Kulturen, ehe wir Opfer und Sklave unserer gebrochenen Existenz wurden, hinausgeworfen in die Qualen des Zweifels und der Frage, dem Fluch von Gut und Böse unterworfen, wie Vertriebene in unsere schutzlose Nacktheit verbannt. Doch was erzähl ich da, wer den Wert des wilden Lebens nur nach dem Nutzen bemisst und nicht um seiner selbst Willen zu schätzen weiß, ja als schädlich bekriegt, wenn es diesen nicht erfüllt, der wird auch dieses nicht verstehen. Ich werde diese unschätzbar kostbaren Erfahrungen mit ins Grab nehmen und ihre Botschaft aus einer fernen Zeit, in der die Welt den Tieren gehörte, einer besseren wie ich meine.

    Die Dinge haben sich geändert.

    Manchmal schließt man ein Tierchen derart tief ins Herz, dass man noch zu dessen Lebzeiten weiß, dass man seinen Tod niemals wird verwinden können. Ist es noch dazu ein kleines Geschöpf der Wildnis, das ohne deine Obhut und Fürsorge nicht überleben könnte infolge eines Gebrechens oder einer Verstümmelung, zählst du die kostbaren Stunden, da du es zum geliebten Kind, zum Freund und Vertrauten haben darfst, werden diese aber von der willkürlichen Grausamkeit des Lebens völlig unnötig und widersinnig verkürzt, erfüllt diese Tragik endgültig den Tatbestand des Unverzeihlichen. Es gibt nichts mehr zu sühnen und nichts mehr zu läutern in deinem Leben, keinen stichhaltigen Grund für eine weitere Prüfung und nichts und nochmal nichts mehr zu erlernen, das diesen tiefen Schmerz rechtfertigen würde, der dir vor der ohnehin begrenzten aber eigentlich gegebenen Zeit zugefügt worden ist, der Zenit an Erduldetem ist überschritten und der Fundus an Hingenommenem aufgebraucht.

    Die Gewichte der Gesetzmäßigkeiten des Lebens haben sich verlagert dahingehend, dass du es nun bist, der als Ankläger das Recht auf seiner Seite hat, während das angeklagte Leben mit keiner einzigen Rechtfertigung mehr aufwarten kann. Du verurteilst die rohen Gemeinheiten des erbarmungslosen Schicksals mit bewusster und klarer Besonnenheit und bist weder zu Verhandlung noch zu Vergebung bereit, das Leben ist endgültig unten durch bei dir. Es hat seine Grenzen missachtet und seine Kompetenzen überschritten, du bist fertig mit ihm, du und das eigenmächtig unberechenbare Leben, ihr seid geschiedene Leute, es hat keine Forderungen mehr zu stellen an dich und kann nichts mehr von dir erwarten, so wie du nichts mehr erwartest von ihm. Es soll dich gefälligst in Ruhe lassen und aus seinem bösen Spiel, du brauchst es nicht mehr und wurdest lange genug von ihm gebraucht, dieses Leben soll sich besser um seine eigenen Angelegenheiten kümmern, die dich nichts mehr angehen müssen und nicht mehr zu kümmern brauchen.

    Das ist die wahre und eigentliche Menschwerdung. Der Mut zur Freiheit, sich den kindischen Trotz zu erlauben und der zornigen Ohnmacht freien Lauf zu lassen, ohne krampfhaft die überflüssig gewordenen Wächter schicksalsergebener Besonnenheit aufmarschieren zu lassen, ohne stark sein zu wollen oder sich um das nebelverhangene Ziel menschlicher Größe zu kümmern, ohne sich ergeben zu fügen, sondern mit geballten Fäusten in Hosentaschen und bockigem Grimm in Gesicht und Herzen gegen das unabänderlich Absolute zu rebellieren mit Willenskraft, Entschlossenheit und Ausdauer. Denn was sich ändern lässt, das braucht kein Wunder und was kein Wunder braucht, ist allemal mühselig und beladen genug, es leidig nennen zu können und schmerzensreich, nein, es gilt Leid und Tod die Stirn zu bieten mit einem wutentbrannten „Das hätte es nicht gebraucht, nicht mit mir, das werde ich niemals akzeptieren“, das erst macht den Menschen zum Menschen und verleiht ihm die Würde der Wahrhaftigkeit, der Rest ist verlogen, bucklig und feige. Oder heilig meinetwegen.

    Ey Lord Jesus, ist schon Jüngster Tag? Sorry, war grade in Gedanken, ein wenig abgelenkt, hab gar nichts von mitbekommen, ist ja auch nicht so wichtig, also, was steht an? Was ich an guten Taten vorzuweisen habe? Ein kleines Wiesel hat mich in die Nasenspitze gebissen, energisch und zärtlich zugleich, um mich wach zu bekommen, weil Zeit zum Spielen angesagt ist. Irgendwann zwischen zwei und vier Uhr morgens. Wenn das nicht reicht für die erlesene Schar in deinem Himmel, gehör ich da wohl nicht hin. Mit den Menschen hab ich's nicht so, wie du weißt, insbesondere mit den Christenmenschen, du kannst ihnen nicht trauen und ausgesprochen lästig sind sie außerdem. Die kommen bestens ohne eine gute Tat meinerseits zurecht, von der Wahrheit wollen sie sowieso nichts wissen. Und der verlorenen Schafe sind es so viele, dass sie eigene große Herden bilden, in deren vermeintlicher Sicherheit sie zuallerletzt das Gefühl haben, gefunden werden zu müssen. Schon gar nicht von einem wie mir. Geht ihnen doch blendend im Vergleich zu meiner Nichtsnutzigkeit, wovon bitte soll ich sie denn überzeugen? Dass sie Blindgänger sind und armselige Vollidioten? Na, wenn sie da nicht von selbst drauf kommen, glauben sie's mir erst recht nicht, im Gegenteil, diese undankbaren Hornochsen sind sogar beleidigt, wenn einer ehrlich genug ist, es ihnen offen ins Gesicht zu sagen. Gute Tat? Ein kleines Wiesel hat mich in diese meine Nasenspitze gebissen, das muss genügen. Wer das nicht erlebt hat, der sollte sich besser mal fragen, ob er die ewige Seligkeit wirklich verdient. Und mir meine Ruhe lassen, und sei es in der Hölle.

    Unsere Tage im Tierlazarett vergehen wie im Flug, nicht sehr lange nach der Kapitulation Geronimos und der Deportation der Chiricahua, auf unserer etwas ausgedehnten Suche nach einem Zuhause sahen wir den Zug des Grauens im Tal unter uns vorbeidampfen und hatten das Glück, eines der todgeweihten zurückgelassenen Hündchen auflesen zu können, das uns über vieles hinwegtröstet und auch unsere Stube in der Painted Desert mit Leben füllt, nebst einigen weiteren tierischen Hausgenossen, die sich noch dazugesellen werden. Denn ein Leben ohne die Gesellschaft von animalischen Geschwistern und Tierkindern ist fortan schlicht nicht mehr denkbar.

    „Was ist der Mensch ohne Tiere. Wären alle Tier fort, würde der Mensch an großer Einsamkeit des Geistes sterben.“

    Das sagte mal ein Häuptling der Suquamish zu mir, oder waren's die Duwamish, ich weiß es nicht mehr, in Washington leben - vielmehr lebten damals - allein fünfzig verschiedene Gruppen dieses Stammesverbundes, die Stadt Seattle ist nach ihrem größten und bekanntesten Häuptling benannt.

    Für die Indianer war es nie eine Frage, mit den Tieren verwandt zu sein, ja direkt von einem bestimmten abzustammen. Der weiße Mann hat ganz offenbar Probleme mit diesem Gedanken, was da an Leben ist, behauptet er steif und fest, das ist erschaffen und schon immer so gewesen. Auch wenn mir ein Knochensucher von den revolutionären Entdeckungen und wissenschaftlichen Erkenntnissen des Naturforschers Darwin erzählt hat, die alles bisher Geglaubte auf den Kopf stellen werden, wie er meinte. Der nämlich verkündet lästerlich, die Arten würden sich stetig verändern, was nur bedeuten kann, dass Gott sie nicht an einem Tag erschaffen habe können für immer und alle Zeit, so wie sie bis heute anzutreffen sind. Ich brauch mir nur die Pferde anzuschauen oder die Vielfalt der Hunde, die ja zweifellos vom einen Wolf abstammen, um eins und eins zusammenzählen zu können und zu wissen, dass dem nie und nimmer so sein kann. Außerdem liegen in der Wüste genug Knochen von verschwundenen Ungeheuern und seltsamen Viechern rum, die vor langer Zeit ausgestorben sein müssen, von denen aber so manches den Knochen der gegenwärtigen Tiere ähnelt, wenn auch etwas oder auch sehr viel größer, aber zweifellos verwandt. Die einen kamen, die andern gingen, manche blieben, aber verändert haben sich die Viecher ohne jede Frage. Was nun an der Erkenntnis dieser Tatsache die Welt verändern soll, müsste ich die Bibelfesten fragen, denn sie müssen wohl umdenken und nicht alles so schrecklich wörtlich nehmen, was da an Bildgeschichten in ihrem heiligen Buch geschrieben steht. Auch der Gedanke mit der Auslese in der Natur erscheint mir nicht ungebührlich grausam, erstens beobachte ich dieselbe jeden Tag und zweitens handelt die Natur nun mal zweckmäßig folgerichtig und vorteilsbringend, eine andere Wahl lässt ihr der Überlebenskampf nicht.

    Im Winter der Plains konnte ich mal ein Wolfsrudel bei der Bisonjagd beobachten. Die Wölfe dort oben sind groß und stark genug, es im Rudel mit einem einzelnen Büffel aufnehmen zu können, noch dazu wenn dieser vom Tiefschnee in seiner Bewegungsfreiheit beeinträchtigt ist. Haben sie das ausgesuchte Tier erst mal durch Finten und Scheinangriffe von der fliehenden Herde getrennt, gibt es für das Ärmste kein Entrinnen mehr, und mag es sich dabei um einen kräftigen Jungbullen handeln. Der Umzingelte und Gestellte wird wortwörtlich gerissen, hier trifft das Wort reißen zu, bei kleinerer Beute mag ein Biss in die Gurgel genügen, um sie zu ersticken, doch ein kämpfender Riese dieses Umfangs muss sozusagen Stück für Stück zu Tode gebissen werden, ein grausames und erbarmungsloses Schauspiel, das dauern kann, selbst wenn das Rudel wie eine Traube an dem Todgeweihten hängt.

    Ich weiß nicht, was den alten Leitbullen bewegt haben mag umzukehren. Ob der ursprüngliche Versuch zu helfen dahintersteckte oder das unterschwellige Bestreben, die übrige Herde durch ein Eingreifen zu retten, er tut etwas, das ich nicht für möglich halten würde, hätte ich es nicht mit eigenen Augen gesehen. Nach kurzem Zögern setzt der gewaltige Büffel zu vollem Galopp an, eine stäubende Urgewalt donnert auf das Knäuel der Kämpfenden zu, die das Wolfrudel auseinanderstieben lässt wie einen aufgeschreckten Krähenschwarm, mit gesenktem Haupt und voller Wucht rammt er seinen mutmaßlichen Sohn von hinten, den es regelrecht zusammenstaucht, und bricht ihm so das Genick. Und während das für einen kleinen Moment in staunender Regungslosigkeit verharrende Rudel allsogleich über den Gefällten herfällt, trabt der große Bulle schnaubend zu seiner überschaubaren Herde zurück, als habe er eine leidige Pflicht erfüllt. Hat er dem Verlorenen sein Leiden verkürzt? Fast kommt es mir so vor, nein, eigentlich bin ich mir dessen sicher. Die Flucht seiner übrigen Schutzbefohlenen wäre nämlich auch ohne seine erschütternde Tat gewährleistet gewesen, die Wölfe hatten, was sie wollten und waren nicht mehr an den Flüchtenden interessiert.

    Aber Tiere sind ja bekanntlich keines Mitgefühls mächtig.

    Der Überlebenskampf hat mit Recht nichts zu tun, Unrecht herrscht nicht erst seit es Menschen gibt, Gerechtigkeit hat es noch nie gegeben und wird es wohl auch niemals geben, solange die Säulen der Erde bestehen. Jede ausgestorbene Tier- und Pflanzenart erlebte ihren Untergang als Ungerechtigkeit gegenüber der überlebenden, lange bevor der Mensch diese Drecksarbeit zu erledigen begann. Dass der Mensch indessen willens ist und in der Lage, seinesgleichen auszurotten, dürfte so ziemlich die einzige Neuerung in der Entwicklungsgeschichte des Lebens sein, andere Gattungen sind nicht so bescheuert. Man kann hier andrerseits durchaus von einer Fehlentwicklung oder selbstzerstörerischen Entartung sprechen, wie sie eng zusammengepferchte Tiere mitunter befällt, die in Panik geraten, immer aggressiver werden aufeinander und sich schließlich gegenseitig zerfleischen. Die machen das allerdings eher unabsichtlich und unfreiwillig, wohingegen der Mensch seine Vernichtungsaktionen gut geplant, wohlüberlegt und sehr gezielt zu tätigen pflegt, einfach weil er ein übler Bosniegel ist. Die einen gestehen sich ihre Übeltaten irgendwann mal ein, geben zerknirscht zu, eine Wahl gehabt zu haben, die andern lassen es bleiben, hatten „keine Wahl“ und ziehen den faustdicken Selbstbetrug der nüchtern ehrlichen Erkenntnis vor, weil dieselbe nicht unerheblich zu schmerzen pflegt.

    Wissen tun es im Grunde beide, und zwar sehr genau.

    Der Mensch beherrscht so ziemlich alles, was Tiere können, nur sehr viel schlechter, manches vielleicht ein wenig besser, fliegen jedoch kann er nicht, der Mensch, und nicht unter Wasser atmen. Auch der Winterschlaf ist ihm nicht gegeben, was ich persönlich am meisten bedauere. Recht viel mehr gibt es eigentlich nicht zu sagen über die menschliche Natur. Ihre Kinder lieben auch die Tiere, manche lebenslang ihre Partner, viele von ihnen leben in Gemeinschaften, in großen Gesellschaften oder kleinen Gruppen, Tiere empfinden Schmerz und Leid, spüren Freude und Glück, Trauer und Einsamkeit, Angst und Geborgenheit, lieben, hassen, eifern, begehren und... sterben genau wie die Menschen, doch das tun sie, man muss ihnen nur einmal zusehen dabei, um das zu wissen. Die einen jagen wie die Menschen, andere ernähren sich von dem was wächst wie sie, wieder andere tun beides wie sie, der Wurm frisst Erde, nun gut, wenn's ihm halt schmeckt.

    Das ist im Grunde alles. In diesem Rahmen der Gegebenheiten kann sich der Mensch frei bewegen, soweit es ihm von seinen Mitmenschen gestattet wird, kann sich entscheiden, es bleiben lassen, dieses und jenes oder sonst was anstellen mit seiner bescheidenen Erdenfrist. Bei eingehender Betrachtung ist da jedenfalls nichts, was ihn daran hindern müsste, im Einklang mit sich und seiner Umwelt, sprich der Natur, ihren Tieren, Pflanzen, Kräften und Erscheinungsformen zu leben, ohne das Ganze dabei restlos auszuplündern und systematisch zerstören zu müssen, um leidlich zufriedenstellend zu überleben. Der weiße Mann ist diesem irrigen Wahnsinn verfallen, wie es scheint, er wird über kurz oder lang nicht nur die Erde und alles Leben darauf sondern auch sich selbst zu Grunde richten damit. Die Indianer wissen es besser, nur leider hört niemand auf sie.

    Und auf einen Desperado schon gleich gar nicht.

    Ganz im Gegensatz zum Menschen haben die Tiere es nicht mit der Lüge. Sicher, sie können täuschen und sich verstellen, das wohl, auch mehr von sich hermachen als sie sind oder jemand ganz anderen verkörpern, die gezielte und überlegte Unwahrheit sagen, um ein Ziel damit zu verfolgen oder sich zu schützen, das können sie glücklicherweise nicht, obgleich sie entgegen herkömmlicher Meinung sehr wohl reden miteinander, auch mit den Menschen, und es ist nicht ihr Unvermögen, wenn die sie nicht verstehen können. Oder wollen? Der Kojote lügt vielleicht ab und zu oder der Rabe, aber auch nur in der Vorstellungswelt der Indianer. Ansonsten ist das schlechte Gewissen der Tiere viel zu stark ausgeprägt und deutlich sichtbar für jeden, der sie bei etwas Verbotenem ertappt und zur Rede stellt. Sein Gewissen betäuben, abtöten und unwirksam machen kann nur der Mensch, weil er es als Einziger vermag, sich selbst zu belügen. Tiere erkennen darin keinerlei Sinn, sie brauchen diesen Schwachsinn ganz einfach nicht, der Mensch hingegen glaubt, ihn brauchen zu müssen, warum auch immer, eins seiner unlösbaren Rätsel.

    Der Mensch bildet sich nämlich ein, als einziges Geschöpf denken zu können, obwohl alles dagegen spricht, aber so ist er nun mal, er will eben was Besonderes sein und am liebsten dem Rest der Welt überlegen. Das hängst damit zusammen, dass er im Hinterstübchen sehr wohl um seine Unterlegenheit weiß und außerdem ein gewaltiger Angsthase ist. Der Mensch bringt es fertig, ein Erdbeben zu verfluchen, eine Sturmflut oder einen Flächenbrand, wie er grade in Oregon tobt, Dürre und Hochwasser, eine Seuche oder ein Unglück, weil es sich ausgeliefert fühlt sprich unterlegen, was er nun so gar nicht ab und haben kann. Tiere sind da sehr viel demütiger, schicksalsergebener und weiser. Vielleicht wird es der Mensch auch einmal, nämlich dann, wenn er selber schuld ist an den Katastrophen, was eines Tages der Fall sein wird, wenn er so weitermacht. Auch die Geduld von Mutter Natur ist irgendwann erschöpft.

    Man wird sehen.



    Buchauszug: Ga'an Desperado - Der Federhut (Suchprogramm), auch unter "Ältester"
    Geändert von Desperado (14.02.2017 um 11:43 Uhr)

  2. #2
    UtaBaumgartner65
    Mitglied
    ja bist du wahnsinning da hat man ganz schön zu lesen!

  3. #3
    Yersinia
    Mitglied
    Wenn Du uns nur verraten hättest, was du uns damit sagen willst. Dann lesen wir es vielleicht.

  4. #4
    antoni
    Mitglied
    Lässt sich gut lesen, aber was ist deine Idee dahinter?


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