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Thema: Ich weiß es nicht

  1. #1
    Duff Ringo
    Neuer Benutzer

    Ich weiß es nicht

    Hallo,

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    Ich erwarte es nicht und verlange es auch nicht, dass sich in den Weiten des Internets, in dem es Massen von Menschen mit Problemen wie meinen gibt, jemand dazu entscheidet, das zu lesen, was ich zu schreiben habe.

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    Ich bin 16 Jahre alt gehe auf ein Gymnasium. Ich habe immer gerne gute Noten geschrieben und mich für alles mögliche interessiert. Bis zu diesem Schuljahr war ich in meiner Klasse Klassensprecher und mochte es, Verantwortung zu übernehmen. Ich war insgesamt mit meinem Leben zufrieden, jedoch gab es einige Dinge, die ich bis dahin eigentlich verarbeitet hatte.

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    Am Anfang der Sommerferien dann fing meine Depression an. Ich fragte mich, was das Leben für einen Sinn hat und das Leben schien sinnlos zu sein, Statt mich auf dem Schützenfest zu amüsieren, lag ich in meinem Bett und war fast zu nichts mehr fähig. Trotzdem fand ich noch etwas Hoffnung in der Welt, in meiner Familie, in meinem Lebensweg und in meiner Liebe. Es verstrichen fünf Wochen des Aufs und Abs und dachte, dass die schlimme Zeit jetzt bald mal enden müsste, da ich noch nicht wusste, dass die richtig schlimme Zeit erst losgehen würde.

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    Am 07.08.2017 bzw. 8 Monaten und 5 Tagen oder noch besser begann eine Zeit des puren Leids und er grundlosen, zerschmetternden Fehlschläge in meinem Leben. Das Leben schien nicht mehr wertvoll zu sein und plötzlich wurde ich von einem Feind bedroht, der mir bis dahin noch gar nicht bewusst war. Denn an diesem Tag begann die Auslöschung meiner gesamten Persönlichkeit. Jetzt fragen sich diejenigen, die sich dazu bereiterklärt haben, diesen Text zu lesen, worauf dieser Kerl denn nun hinauswill, was ich selbst auch verstehen kann. Jedoch ist es nichts, was einer Depression entspricht, nein, auch nichts wie ein persönlicher Rückschlag oder ein traumatisierendes Erlebnis, es ist etwas viel Besseres: Zwangsgedanken. Zur kurzen Erklärung: Zwangsgedanken sind zwanghafte Gedanken, die an sich keinerlei Sinn haben und den Erkrankten stets an Dinge denken lassen, die in der Theorie irgendwie möglich sein könnten. Und es ist nichts, das man sich aussucht oder wirklich heilen kann. Und schönerweise sind diese Gedanken in meinem Fall nicht mal ansatzweise von Substanz, denn meine drehen sich rund um die Themen Islam, der Nahe Osten und Terroristen! Diese Gedanken sind auch vollkommen berechtigt, schließlich habe ich dazu auch einen unfassbar großen Bezug im Leben als deutscher Katholik, der seit einem Jahr gefirmt ist un stolz auf die Demokratie und die westliche Welt ist.

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    Wie ich schon gesagt habe, habe ich mich für alle möglichen Themen auf der Welt interessiert, die Wissenschaft, Politik, den Weltraum, die USA, die WESTLICHE Welt, Dinosaurier, Pokemon, Animes, alle möglichen Religionen und alle möglichen anderen Themen - außer dem Nahen Osten und dem Islam. DIese Dinge waren für mich vollkommen irrelevant und haben in meinem Leben nie eine zentrale Rolle gespielt. Doch von diesem Tag an würde es nie wieder so schön sein wie vorher.

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    Von da an war meine Gedankenwelt vollkommen von grundlosem, nutlosem und sinnlosem Hass und Verachtung geprägt, die mir mein intrigantes Unterbewusstsein aufzwingen wollte. Hass gegen die westliche Welt, Hass gegen meine Freunde, Hass gegen meine Familie, Hass gegen meine Interessen und insgesamt Hass gegen absolut alles, was mich als Mensch ausgemacht hat. Und wie sah dieser Hass aus? Ganz im Zeichen von Zwangsgedanken: Irgendetwas von wegen Allah und Terroristen und dass ich unschuldige Menschen einfach umbringen soll. Während ich damit beschäftigt war, mich gegen diese Gedanken massiv zu wehren, wurden alle Züge meines Charakters systematisch ausgelöscht. Kranke Glaubenssätze, die nichts als Hirngespinste sind, wollten energisch alle Gedanken, die in gewisser Weise meinen wahren Charakter widerspiegeln restlos vernichten. Die Zeit in der Schule war geprägt von Hass auf diese Gedanken, während das Leben an mir vorbeizog. Vorher schrieb ich stets fantastische Noten, Geschichten, Gedichte und habe unfassbar gerne gezeichnet - von da an kam ich mittags nach Hause und habe mich über Zwangsgedanken erkundigt und was man dagegen tun kann - jeden Tag und jede schlaflose Nacht. Dies waren einige der einzigen Momente, in denen ich mich nicht vollkommen machtlos gefühlt habe und habe versucht, mich mit sogenannten Silent Subliminals (unterschwelligen Audiosignalen, die nicht wahrnehmbar sind und Informationen am Bewusstsein vorbei direkt ins Unterbewusstsein geben) selbst zu beeinflussen, um diesen Gedanken Einhalt zu gebieten. Ein gigantischer Hoffnungsstoß schoss durch mich, doch mein Unterbewusstsein ließ mich diesen kleinen Triumph nicht genießen - die Gedanken wurden absichtlich stärker und wollten mir die ganze Zeit die Sinnlosigkeit meines Handelns und meine Hilflosigkeit nahebringen, indem es mir zusätzlichen Hass gegen meine Familie und mein Zuhause gebracht hat. Dann, kurz vor den Herbstferien, kamen Gedanken hoch, dass ich einen Vaterkomplex haben könnte. Mein Erzeuger, den ich niemals im Leben als meinen Vater bezeichnen würde, hat unserer Familie nichts als Leid beschert - er war ein unfassbar schlechter Mensch und vollkommen nutzlos für die Gesellschaft. Und, witzigerweise, kam er aus dem Nahen Osten.

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    Dieser Tatsache habe ich in meinem ganzen Leben keinerlei Beachtung geschenkt oder dass ich schwarze Haare und eine etwas gebräunte Haut habe. Und ohne jeden Grund, nur mit dem Anlass, dass ich am Abend des 06.08.2017 auf RTL einen Bericht über den Terroristen gesehen habe, der in einem Edeka ein Messer gestohlen hat, um in blindem Wahn Menschen zu ermorden, jedoch kein konkreter Grund, Ich wusste seit der Depression nicht genau, was ich wollte, jedoch wusste ich, was oder wer ich NICHT sein wollte - und diese Gedanken haben mit unfassbarem Einfallsreichtum versucht, mich zu diesem Menschen zu machen.

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    Nach und nach musste ich vollkommen hilflos mitansehen, wie meine Persönlichkeit qualvoll und schonunglos malträtiert und niedergemetzelt wurde. Ich muss es über mich ergehen lassen, dass ich im September tagelang nur an ein Mädchen aus dem Bus zu denken, nur weil sie ein Kopftuch anhat und plötzlich will mein Unterbewusstsein mir vorgaukeln, dass ich in dieses Mädchen verliebt wäre.

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    Woche 11, Tag 1; Tag 57; 16.10.2017: Nach den Herbstferien war mein erster Schritt, in die Schule zu gehen, und schon merkte ich die unfassbare Hilflosigkeit, als ich wieder den ganzen Tag nur an Türken, Moslems und andere Nahöstler denken konnte.

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    Die Tage zogen immer weiter an mir vorbei und ich konnte nichts dagegen tun, die Subliminals hörte ich Tag für Tag, auch die ganze Nacht durch, die ich selbst aufgenommen habe und konvertiert habe, um meine Persönlichkeit aufrechtzuerhalten. Währenddessen habe ich mich mit nichts mehr beschäftigt, womit ich mich noch hätte beschäftigen können.

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    Woche 14, Tag 6; Tag 83; 11.11.2017: Ich schaue mir eine Chartshow über 90er-Covers auf RTL 2 an und muss von da an ur daran denken, dass Cat Stevens, dieser eine Musiker da, es irgendwann für nötig gehalten hat, zum Islam zu konvertieren, woraufhin, dieser Typ mich bis ans Ende des Jahres verfolgen wird.

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    Woche 15, Tag 5; Tag 89, 17.11.2017: Wir haben Elternsprechtag in der Schule und ich sitze mit meiner Mutter bei meiner Klassenlehrerin, die uns erzählt, was für ein guter Schüler ich bin und ich kein Fach hätte, in dem ich schwächer wäre als in einem anderen. Innerlich zerfalle ich über die traurige Tatsache, dass ich in letzter Zeit nicht mal mehr dazu fähig gewesen bin, richtig im Kopf zu rechnen oder einen richtig und absichtlich zusammenhängenden Text zu schreiben.

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    Woche 16, Tag 6; Tag 95, 25.11.2017: Wir haben in der Schule einen Präsentationstag aller AGs für die Grundschüler und anschließend Berufsinformationsvorstellungen für uns Zehntklässler. Ich versuche, den Kindern HTML programmieren beizubringen und schaue mir danach Vorträge über Physik, IT und Maschinenbau an. Seit drei Tagen plagen mich Gedanken an „Ungläubige“ und alle Menschen an meiner Schule umzubringen, ohne jeglichen Grund oder irgendein Fünkchen Menschlichkeit, die mir mein Unterbewusstsein aggressiv austreiben will. Ich versuche die ganze Zeit, es einem Lehrer zu sagen, jedoch traue ich mich nicht, mein Bild, das andere von mir haben, zu zerstören oder mich irgendwem zu öffnen.

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    Woche 17, Tag 2; Tag 98, 28.11.2017: Wir machen einen Ausflug mit der Klasse nach Köln und schauen uns ein Theaterstück an. Ich bin müde und innerlich zerrissen, und kann keinen klaren Gedanken mehr fassen. Auf der Rückfahrt zeichne ich ein paar selbst erfundene Pokemon, um mir irgendwie die Zeit zu vertreiben, woraufhin Frau Heck mich vor meiner halben Klasse fragt, ob es nichts gäbe, was ich nicht könne. Nachdem ich ihr „Sport“ geantwortet habe und wir wieder in Wissen sind, wandere ich im Dunkeln nach Hause, ohne jedes Fünkchen an Hoffnung.

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    Woche 18, Tag 3; Tag 106; 06.12.2017: Ich ziehe bei OPTC, einem Animespiel, den zurzeit besten Charakter von allen und kann mich nicht darüber freuen, da ich ein schlechtes Gewissen wegen den kranken Gewaltgedanken in meinem Kopf habe.

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    Woche 18, Tag 6; Tag 125; 09.12.2018: Ich schaue nachmittags die Animationsvariante des Weihnachtsklassikers „Eine Weihnachtsgeschichte“ und kann mich über diesen unfassbar schönen Film aus meiner Kindheit nicht mehr freuen, obwohl ich zuvor eine unfassbar große Fantasie hatte.

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    Woche 19, Tag 2; Tag 128; 12.12.2017: Wir machen noch einen Ausflug nach Köln ins Jumphouse, jedoch kann ich beim Samuraikampf auf einem kleinen Pfad an nichts anderes als Allah und sonst irgendeine Scheiße denken, obwohl es einen unfassbar guten Grund gäbe, mich über diesen Tag zu freuen.

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    Woche 20, Tag 5; Tag 138; 22.12.2017: Der letzte Freitag vor Weihnachten und ich hole meine Schwester, die aus Bayern extra zu Weihnachten gekommen ist, vom Bahnhof ab. Mittlerweile ist es mein einziges Mittel gegen diese Gedanken, in Gedanken, Gefühlen und Wertvorstellungen keinerlei Sinn zu sehen und stattdessen Bilder von einem Schwertkämpfer zu zeichnen, der aufgrund eigener Zwangsgedanken darauf aus ist, Gedanken und Gefühle in der Welt schlichtweg auszulöschen, da er in einer Fantasiewelt, die ich mir seit fünf Jahren zusammensetze, die Macht dazu hat.

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    Woche 20, Tag 7 bis Woche 21, Tag 2; Tag 140 bis Tag 142; 24.12.2017 bis 26.12.2017: Wir feiern zusammen Weihnachten und ich kann nicht mal ansatzweise Freude daran zeigen. Ich kann sie vorgaukeln und will es nicht riskieren, die „Gefühle“ zuzulassen, die mir aufgezwungen werden, um meine Persönlichkeit nicht vollkommen zu verlieren. Ich bekomme ein riesiges, professionelles Teleskop, damit ich mein Ziel, einmal in die Raumfahrt und die Wissenschaft zu gehen und zu studieren, endlich umsetzen kann. Ich fühle dasselbe Gefühl wie beim Elternsprechtag, mein Unterbewusstsein hetzt Tag für Tag massiv gegen Weihnachten, das schönste Fest im ganzen Jahr.

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    Woche 21, Tag 7; Tag 147; 31.12.2017: Wir feiern Silvester und ich zeichne in den Abendstunden Bilder der Hoffnungslosigkeit, der Schwertkämpfer, mit dem ich mich mittlerweile vollkommen identifizieren kann, erhält ein festes Aussehen.

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    Woche 22, Tag 1; Tag 148; 01.01.2018: Mein Unterbewusstsein möchte mir vermitteln, dass ich jetzt im neuen Jahr auch all das umsetzen kann, was es mir alles vermittelt hat und dass ich jetzt meine alte Persönlichkeit endlich gegen die ganzen Psychosen und Gewaltgedanken erstetzen soll. Leben in der Hölle.

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    Woche 23, Tag 3; Tag 157; 10.01.2018: Mein Geburtstag steht an. Ich bekomme eine braune Lederjacke, wie ich sie immer haben wollte, und plötzlich muss ich den ganzen Tag an einen Türken in meiner Klasse denken, der auch eine Lederjacke hat. Die Jacke verstaubt infolgedessen am Kleiderhaken und wird so gut wie nie angezogen. Ich baue mein Haus aus Pappe zu Ende, das wir für Kunst fertigstellen sollten. Ein Haus, das wir seit August fertigtellen sollten und mein Traumhaus sein sollte: Ein Ziegelsteinhaus mit einer massiven Holzfassade und einem hochfahrbaren Dach, sodass ich jeden Abend in den HImmel schauen kann, um mit meiner Frau irgendwann die Sterne beobachten zu können.

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    Woche 26, Tag 5; Tag 179; 02.02.2018: Schriftzüge prägen die Einstellung des Schwertkämfers:

    „Hoffnung ist nichts als Wunschträumerei. Vorstellungen besserer Realitäten, die nicht existieren und auch niemals existieren werden.“

    „Träume, Sinn- und Wertvorstellungen sind nichts als Produkte der Angst. Der Angst vor der unumstößlichen Tatsache, dass das Leben keinerlei Sinn hat.“

    „Gefühle sind nur Werkzeuge der Natur, uns in einer sinnlosen Existenz gefangenzuhalten, damit wir den Fortbestand unserer Art sichern, um danach durch den Tod wieder vom Antlitz dieser Welt getilgt zu werden.“

    „Wir sind dazu verdammt, zu denken, zu fühlen und zu handeln, wie unser Geist es uns vorschreibt. Der freie Wille ist eine Illusion.“

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    Die Karnevalswochen werden zum größten persönlichen Tiefpunkt dieser Zeit aus mehreren Gründen.

    Mir werden die Auswirkungen meiner Gedanken und des Schadens erst richtig bewusst.

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    Woche 29, Tag 5; Tag 201; 22.02.2018: Ich wache mitten in der Nacht schweißgebadet vor Angst wegen kranken Pädophiliegedanken auf, die mich noch Tage lang quälen dürfen.

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    Woche 30, Tag 1; Tag 204; 25.02.2018: Ich habe plötzlich grässliche Bauchschmerzen und bleibe zu Hause. Ich bin drei Tage lang hilflos meinen jetzt plötzlich sexuellen Zwangsgedanken ausgesetzt, die mich noch schlimmer quälen als die religiösen Zwangsgedanken es je geschafft haben.

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    Woche 30, Tag 3; Tag 206; 27.02.2018: Ich muss im Krankenhaus plötzlich operiert werden, weil mein Blinddarm fast geplatzt wäre. Ich liege dort und fühle mich verängstigt, da mein Zimmernachbar ein Viertklässler ist.

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    Woche 31, Tag 1; Tag 211; 05.03.2018: Ich bin wieder zu Hause und muss jetzt meine homosexuellen Zwangsgedanken aushalten, die das Spektrum der Zwangsgedanken nun vollkommen vollenden dürfen. Ich bin von nun an fünf Wochen zu Hause und kann wegen den Schäden meines Blinddarms nicht in die Schule. Ich muss für Geschichte ein Projekt fertigmachen und schaffe es zwei Monate lang nicht, es zu vollenden. Vollenden ist hier jedoch eine Beleidigung für die Kunst, da meine Leistungen nicht mehr ansatzweise meinen wirklichen Fähigkeiten entsprechen.

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    Meine Ambitionen, meine Träume und meine Moralvorstellungen wurden in diesen Monaten nahezu vernichtet und ich muss dabei zusehen, wie mein Leben nicht den Weg einschlägt, den ich mir über 15 Jahre, 29 Wochen und 5 Tage aufgebaut habe, und kann nur noch das Nötigste für meine Noten machen. Doch eine einzige Sache, eine einzige Ambition, einen einzigen Lebenssinn hatte ich diese ganzen 251 Tage lang bis heute: die Liebe zu einem Mädchen in meiner Klasse.

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    Ich kenne sie seit der fünften Klasse und sie ist sofort das erste Mädchen in der Klasse gewesen, für das ich mich interessiert habe, bis ich mich Ende der fünften Klasse in ein anderes Mädchen verliebt habe und plötzlich war nun eine andere in meinem Fokus. Drei Jahre Verliebtsein und ein bisschen Trauer später denke ich plötzlich wieder daran, dass sie so gesehen die erste an dieser Schule war. Ich hatte noch nie zuvor ein so gutes Verhältnis zu einem Mädchen gehabt, da wir auch viel gemeinsam hatten und oft sehr viel gelacht haben. Ich sah sie in meiner Klasse mit diesem Pferdeschwanz und diesem bildhübschen, aber trotzdem selbstbewussten Gesicht und wollte sie irgendwie beeindrucken. Als ich ein Pokemon malte und sie mir erzählte, dass sie auch auf Pokemon und Dinosaurier steht, konnte ich es kaum fassen, dass es solch ein cooles Mädchen überhaupt geben kann. (Vor Pokemon waren Dinosaurier das allererste in meinem Leben, was mich richtig beeindruckt hat. Ich habe sie rauf und runtergezeichnet, bis in der zweiten Klasse die Pokemon kamen...) Sie liebte es schon in der fünften Klasse, kreativ zu sein und zu zeichnen, was ich mir schon immer von einem Mädchen gewünscht habe. Über die Schuljahre hinweg habe ich dem anderen Mädchen in meiner Klasse hinterhergejagt, während ich doch ein fantastisches Verhältnis zu diesem einen Mädchen hatte, das sogar einmal nicht wollte, dass ich mich von ihr wegsetze. In der neunten Klasse habe ich es geliebt, ihr Hallo zu sagen, allein, weil sie mich auch dabei so enthusiastisch begrüßt hat. Ich denke bis heute an jedes einzige Mal, wenn sie mit ihrer schönen, coolen Stimme meinen Namen gesagt hat...

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    Ich habe insgesamt drei Dialoge mit ihr schreiben dürfen, und auch anfangs der neunten Klasse, als ich diese Gefühle noch gar nicht wirklich hatte, habe ich gemerkt, dass das der coolste Dialog war, den ich jemals mit irgendwem geschrieben habe, weil wir ihn über Pokemon geschrieben haben. WIr haben eine 1 für einen Pokemon-Dialog bekommen, den ich vermutlich mit keinem Mädchen auf der Welt hätte schreiben können außer ihr. Zwei andere Dialoge über Dates und Beziehungen, die ich durch absoluten und absolut glücklichen Zufall mit ihr schreiben durfte später war ich stets überglücklich, so viel Zeit mit ihr verbracht haben zu können. Bei beiden Kölnfahrten wollte ich irgendwie in ihrer Nähe sein, und es flammte immer ein kleines Fünkchen an Hoffnung auf, wenn ich ihr hübsches Gesicht sah. Hat sie auch noch gelächelt, wusste ich für einen kleinen Moment, dass das Leben doch noch einen Sinn hat.

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    An ihrem Geburtstag dann habe ich ihr etwas aus Origami schenken wollen, doch ich habe es einfach nicht geschafft... Meine Gedanken haben es nicht zugelassen, weil sie mir jedes Mal, wenn ich an ihr wunderschönes Gesicht denken musste, diesen letzten Hoffnungsschimmer in meinem Leben zum schwinden bringen wollte. Habe ich mit ihr geschrieben, wusste ich nicht, was ich schreiben sollte und wie ich es schreiben sollte und ob sie es schon längst gemerkt hätte oder nicht, aber trotzdem war es ein Lichtstrahl in dieser Finsternis, die mich ohne jeden Grund verschlungen hat.

  2. #2
    Duff Ringo 2
    Neuer Benutzer
    An Karneval fanden diesen Gedanken einen neuen Anhaltspunkt für diese Gedanken: Der arrogante und unsensible Typ, der mich nach drei Jahren des Wartens und des Ausharrens und der absoluten Enttäuschungen dazu gebracht hat, meine erste große Liebe vollkommen aufzugeben und mir gezeigt hat, dass Mädchen teils die schlechtesten und arrogantesten Jungen, die (wie er in der achten Klasse) ganz offen asozial zu allen Menschen und respektlos zu jedem Lehrer war, weil sie ein winziges, jämmerliches Ego haben, als Freund aussuchen, weil sie einen auf sehr nett und total witzig machen, hat es anscheinend geschafft, bei ihr Eindruck zu schinden. Man könnte meinen, er hätte sich geändert. Dann zieht er über das Mädchen auch noch her, das er in der achten Klasse hinters Licht geführt hat, ohne mit der Wimper zu zucken. Er macht einen auf cool und witzig und auch superintelligent, kennt viele Musiker aus der Vergangenheit und sagt dann, dass „...es in allen Liedern immer nur um Liebe und nichts anderes gehen würde, weil das anscheinend immer geht und sich darunter jeder irgendetwas vorstellen könnte.“*Mit abwertendem und genervtem Ton. Ohne Verständnis dafür, was das Wort Liebe eigentlich bedeutet.

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    Ich habe von Anfang der zehnten Klasse, die für mich die Hölle auf Erden sein sollte, hatte ich mich trotzdem auf das Tanzen in Sport am Ende des Jahres gefreut. Nicht, weil ich tanzen kann, keineswegs, aber deswegen, weil ich vielleicht mit ihr hätte tanzen können... An Karneval dann wollte ich sie danach fragen, doch es war witzigerweise einen ganzen Tag zu spät: sie sagte mir ohne Gefühlsregung, dass die mit diesem einen Arschloch tanzen würde, das mir die achte Klasse ganz kaputtgemacht hat. Als er dann so ausschweifend darüber erzählte, wie er sich ein paar Tage vorher bis zum Exzess betrunken hat und sie sichtlich Interesse daran gezeigt hat, das ich seit langer Zeit bei ihr vermisst habe, war ich kurz davor, es ganz aufzugeben. Ich hasse ihn. Ich hasse ihn, und ich hasse nicht, wie Kraftklub es ausdrücken würden, alle, die noch kommen und würde sie gerne alle vom Balkon werfen, nein, ich hasse einzig und allein ihn. Er ist neben meinem Erzeuger der erste Mensch in meinem Leben, gegen den ich diesen Hass seit Beginn dieses traurigen Dilemmas zugelassen habe. Ich stelle mir vor, wie es wäre, ihm wie Whitebeard in One Piece, meiner eigentlichen Liebingsserie, eine Erdbebenschockwelle durch den Bauch zu jagen, um ihn endlich los zu sein. Ein kleines, unsensibles Schwein, das einen auf schusselig und trotzdem schlau und witzig macht, um seine emotionale Unfähigkeit zu verstecken. Obwohl, eigentlich kann er sie gar nicht verstecken, denn Typen wie er sind gar nicht dazu fähig, diese Unfähigkeit zu bemerken, da er etwas wie wahre Gefühle noch nie gefühlt hat. Seine Arroganz und seine Ignoranz werden ihn immer daran hindern. Und trotzdem, trotz dieser „Ungerechtigkeit“, wie man je nachdem sehen kann, wollte ich nicht meinem Unterbewusstsein nachgeben, das diesen Umstand als gefundenes Fressen für eine weitere Salve an Persönlichkeitsvernichtungsgedanken ansah. Ich hasse ihn, und ich werde ihn immer hassen, weil dieser Typ und alle anderen Typen, die keine Ahnung von Gefühlen haben und sie einfach nicht für „nötig“ halten, weil eine Beziehung für sie nichts Begehrenswertes ist, sondern nur ein Mittel zur Befriedigung ihres jämmerlichen Egos, es keineswegs verdient haben, dass wunderschöne und intelligente Mädchen wie sie ihr Lächeln an sie verschwenden.

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    Ich war am grausamsten Tiefpunkt meines ganzen Lebens angelangt, als ich meinen letzten Funken Hoffnung aufgeben wollte, das Licht meines Lebens, das mir seit fünf Jahren ab und zu, später dann jeden Tag ein Lächeln auf die Lippen gezaubert haben, egal wie schwer es zu ertragen schien. Als ein Freund, einer meiner zwei besten Freunde, die sich witzigerweise gar nicht richtig kennen, mir sagte, dass ich ihm nicht mehr über sie schreiben sollte, weil mich diese gottlose Komödie zur vollkommenen Unfähigkeit in puncto Liebe gebracht hat und ich all seine Ratschläge, die er sich extra für mich ausgedacht hat, nie wirklich befolgt habe, habe ich ihm geschrieben, dass ich es eigentlich mittlerweile aufgeben wollte. Die Liebe, über die ich vorher gedichtet habe und dank der ich Gedichte in Klassenarbeiten mit einer 1 analysieren konnte, wollte ich aufgeben. Doch dann sagte er mir, dass ich es entweder aufgeben könnte oder es ihr sagen könnte und damit „alles auf eine Karte setzen könnte“. Dies war am Valentinstag dieses Jahres (Woche 28, Tag 3; Tag 192; Mittwoch, der 14.02.2018 - der erste Tag nach Karneval und fast eine Woche nach diesem Vorfall. Und dann schrieb ich ihr, dass ich am nächsten Tag mal mit ihr sprechen wollte und dann habe ich es ihr am nächsten Tag gestanden. Kein Wort von den Zwangsgedanken, kein Wort von meiner Meinung über ihn, der an diesem Tag (Gott sei Dank) krank war. Mein Verhalten war im Nachhinein vollkommen unangebracht. Ich war weder ruhig noch gefasst, ich bin auf- und abgerannt, als es aus mir herausgeplatzt ist. In dieser und der nächsten Woche habe ich mit ihr darüber gesprochen, mit dem toughen, aber trotzdem sensiblen, dem coolen und witzigen Mädchen. Ich war gerührt davon, wie fürsorglich sie dabei war und gestand ihr, dass ich es auch sehr mochte, dass sie zwar tough wirkte, aber auch sehr sensibel und gefühlvoll sein konnte, was man daran merkte, dass sie unfassbar schöne Liebesgedichte über Schmerz schrieb, als wir dieses Thema in Deutsch durchgenommen haben. Als sie dies mit einer sehr rührenden Antwort und einer Umarmung bestätigte, da sie zum Bus musste, merkte ich, dass sie irgendwie genau so wie ich auch früher runtergemacht wurde und auch Selbstzweifel hat, weil es Menschen gibt, die ihr diese einreden wollen. Sieben Wochen später ist es zwischen ihr und ihm für mich nicht besser geworden, ich hasse ihn immer noch, Sie wartet auf ihn, geht meist neben ihm her und wartet nach der AG, bis er im Auto nach Hause verschwunden ist. Trotz des fantastischen Verhältnis, das wir hatten, hat sie mir gesagt, dass sie solche Gefühle nicht für mich empfinden würde und das sich auch nicht ändern*würde. Ich habe eine gigantische Angst gehabt, unser Verhältnis zu verderben, unser tolles Verhältnis zueinander, und jetzt wird es wahrscheinlich nie wieder so sein, wie es gewesen ist.

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    Aber trotzdem: Unter allem, was ich verloren habe, nicht materiell, sondern von innen heraus, war meine Liebe zu diesem Mädchen das einzige, was mich in allen menschenunwürdigen Momenten, als ich bei dem Berufsinformationstag Angst vor meinen eigenen kranken Gewaltgedankenhatte, als ich sehnsüchtig vor Verzweiflung auf die Autos auf der Straße und auf den Grund von Flüssen unter Brücken schaute und dachte, dass es viel schöner wäre, jetzt darunterzuliegen, als wir zweimal nach Köln gefahren sind, als ich am Tropf mit Schläuchen im Bauch im Krankenhaus hing und ich kurz davor war, aufzustehen, die Schläuche von mir zu reißen und aus dem Fenster zu springen, als ich in der Schule keinen klaren Gedanken mehr fassen konnte, noch am Leben erhalten konnte und mich an das Gute in den Menschen glauben ließ. Obwohl mir von meinem eigenen Geist klargemacht wurde, dass die Menschheit ja ach so schlecht ist und ich mittlerweile an einem Punkt der Resignation angekommen war, an dem selbst die bitterste Träne nichts als versalzenes Wasser zu sein schien und ich keinerlei Sinn darin sah, dieses Leben noch weiterzuführen, brannte in mir ein gigantisches Feuer auf, als ich mitansehen musste, wie mein Kopf gegen das fantastischste Mädchen, das jemals gelebt hat, grausame Anschuldigungen und Beleidigungen wie „Schlampe“ und „sinnlos“ ausschrie. Sie ist das coolste, hübscheste, intelligenteste, kreativste, originellste und gleichzeitig witzigste, netteste, sensibelste und süßeste Mädchen, das die Welt jemals gesehen hat. Dieser Typ, der mir zweimal in die Quere gekommen ist, ist für mich kein HIndernis. Auch, wenn ich nächstes Jahr in vielen Kursen bin und ich nicht viele Kurse mit ihr haben werde, wird mich gar nichts davon abhalten, für sie zu kämpfen. Ich sagte zu meinem Geist wie zu einem Dämon, dass sie das letzte wäre, das ich diesem Feuer der Vernichtung überlassen würde. Und dies wird sich auch niemals ändern. Mein Unterbewusstsein will mir energisch diesen letzten Teil meines wahren Ichs austreiben, aber trotz aller Umstände, die dagegensprechen, sehe ich immer noch keinen Grund darin, mich davon abhalten zu lassen, sie für immer bedingungslos zu lieben.

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    Wenn ich diese vielen Seiten lese, sehe ich nichts als viele, unnütze Zeilen voller Hirngespinste und einer nutzlosen Erläuterung eines verwirrten Geistes. Zwangsgedanken sind nichts, das man heilen kann oder aus dem man lernen kann wie es bei einer Depression der Fall ist. Man kann auch nicht, wie es von vielen Menschen behauptet wird, geheilt werden, indem man sich diesen Gedanken stellt. Dadurch lässt man sie nur noch mehr Einfluss auf den Charakter nehmen, der nach und nach verschwindet. Sie sind gemacht, um einen Menschen vollkommen zu vernichten, seinen Charakter zu foltern und danach ein Schlachtfeld voller Leichen zu hinterlassen, um für immer zu verschwinden. Dies ist ihre einzige Daseinsberechtigung in unserer Welt. Ich sehe nicht einmal mehr einen Sinn darin, dass ich diese Zeilen überhaupt über die letzten sechs Stunden hinweg geschrieben habe. Der einzige Sinn, der mir noch geblieben ist, ist sie.*

    Ich weiß nicht, wie man diesen Text beurteilen wird. Ob man es als Instrument der Verarbeitung sehen wird oder als Ausschrei der Eifersucht auf irgendwelche Typen, "denen ich einfach die Schuld dafür gebe und über die ich nicht so schlecht reden darf, da ich dazu ja gar nicht das Recht habe." Es interessiert mich auch nicht, ob es jemand verstehen wird, da ich mich hier als einziges von meiner Umwelt und einmal nicht von meinen Zwangsgedanken hintergangen fühle. Ich erwarte auch nicht, dass der Inhalt dieses Textes von irgendwem wahrgenommen wird, da er wahrscheinlich sehr klein erscheint im Gegensatz zu allen anderen Texten, die alle anderen möglichen Menschen schon im Zeichen der puren Verzweiflung geschrieben haben. Jedoch bleibt mir innerhalb dieser tragischen Höllenschau nichts anderes, als solche Zeilen der Verzweiflung zu schreiben. Wow, solche Formulierungen wie hier habe ich seit Monaten nicht zustande gebracht. Interessant
    Geändert von Duff Ringo 2 (14.04.2018 um 14:42 Uhr)

  3. #3
    MariaVogler123
    Mitglied
    Schönen guten Tag!

    Ich habe mir jetzt wirklich die Zeit genommen und auch tatsächlich deinen kompletten Text gelesen und kann deine Verunsicherung total nachvollziehen. Mir würde es im ersten Moment wahrscheinlich relativ ähnlich gehen.


    Einen wirklichen Rat kann ich dir aber auch nicht so recht geben. Ich habe aber irgendwie aus deinen Zeilen herausgelesen, dass dir die Sache mit der Astronomie etc. scheinbar ziemlich gut tut und dich interessiert. Ich würde vielleicht versuchen mich da weiter darauf zu fokussieren und eventuell ein eigenes Sonnenteleskop kaufen.

    Lg


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